Die Idee eines Kulturausflugs entstand beim Lesen eines Artikels der Aachen Nachrichten über die 2014 erfolgte Gründung eines Familienmuseums im niederländischen Eijsden:

Karl (der Große) ist in uns. Ziemlich sicher in uns allen. Der große Kaiser lies bekanntermaßen eine fruchtbare Saat in seinem Reich aufgehen, das fast das gesamte heutige Europa umfasste. Er förderte nicht nur Schrift und Sprache, in deren Folge Kunst und Kultur aufblühten, sondern hatte 5 Frauen und 18 Kinder. Offizielle, die von Konkubinen nicht mitgezählt…Wer heutzutage also, vielleicht nur scherzhaft, behauptet, dass er Karls Nachfahre ist, dürfte richtig liegen. Der Genealoge Patelski…formuliert es so – wir stammen alle von Karl dem Großen ab, aber nur 10-15 % der Limburger können es beweisen. Statistiker der Uni Amsterdam haben ausgerechnet, dass die Chance, dass ein Westeuropäer nicht auf irgendeine Weise auf Karl den Großen zurückzuführen ist, gleich null ist. Schließlich haben seitdem etwa 40 Generationen gelebt. Da jeder Vater und Mutter hat, muss die Zahl 2 mit 40 potenziert werden (das ergibt über 1200 Milliarden…so viele Menschen gab es weder damals noch heute.) Patelski machte sich also daran, einen bunt gefächerten Strauß von Nachfahren Karls ausfindig zu machen…die zum 1200. Todestag Karls in einem eigens dafür geschaffenem Pavillon dargestellt wurden.“
36 Neugierige trafen sich also am Samstag, den 09. März am Markt, wo es nach kurzer Einführung wie immer mit zahlreichen Fahrgemeinschaften losging. Kurz vor Lüttich rechts abbiegend verlief der letzte Teil der Fahrt idyllisch an der Maas entlang, wo bereits die ersten Obstbäume in voller Blüte standen.
Zunächst erfolgte für alle von Prof. J. Geraedts eine geschichtliche und inhaltliche Vorstellung des Familienmuseums im großen Saal des ehemaligen Ursulinenkonvents, erbaut vom berühmtesten niederländischen Architekten seiner Zeit - Petrus Josephus Hubertus Cuypers (bekannt u.a. durch das Reichsmuseum in Amsterdam). Anschließend wurde die Gruppe geteilt.
Die eine Hälfte wurde in die erste Etage geführt, wo vielerlei Wissenswertes über die inzwischen weltweit agierende, 1535 in Brescia von Angela Merici gegründete Ordensgemeinschaft der Ursulinen berichtet wurde, die sich der kostenlosen Erziehung und Bildung von Mädchen verschrieben hat.
Nach dem Besuch der Kapelle, die auch heute noch für Hochzeiten und Beerdigungen genutzt wird, wurde getauscht und nun kam gleich ein bunter Strauß an Informationen – zu allererst über den
Anthropologen, Geologen und Militärarzt Eugène François Thomas Dubois, der 1858 in Eijsden geboren wurde. Er wurde durch den Fund des Java-Menschen (flaches Schädeldach mit starken Überaugenwülsten) im Jahre 1891 aus einer Uferwand auf der indonesischen Insel Java berühmt. Er gab seinem Fund den wissenschaftlichen Namen Pithecanthropus erectus nach dem griechischen Wort Pithecanthropus für Affenmensch. Heute werden die Fossilien des Java-Menschen zusammen mit denen des Peking-Menschen und weiteren Funden zu Homo erectus gestellt. Dubois gilt dabei als erster Forscher, der gezielt auf der Suche nach den Vorfahren des Menschen unterwegs war, indem er aufwändige, systematische Ausgrabungen durch Soldaten unternehmen ließ, die er anschließend wissenschaftlich untersuchte.
Erst durch die fotographische Reproduktion einer Muschel von der indonesischen Insel Java aus der Sammlung Dubois, heute Teil des Nationalen Naturgeschichtlichen Museums Naturalis in Leiden, wurden Ritzzeichen entdeckt, die nach längeren wissenschaftlichen Auseinandersetzungen heute als älteste, unbestritten menschliche Gravuren weltweit gelten. Die Gravuren sind zwischen 430.000 und 540.000 Jahre alt und damit über 300.000 Jahre älter als die bisher anerkannten. Somit war offensichtlich schon der Frühmensch Homo erectus in der Lage, exakte Gravuren herzustellen - publiziert 2014 in Science.
Weiter ging es in eine alte Apotheke (die in den wunderschönen Holzmöbeln auch schon ein Fach für Placebo-Mittel hatte), zu alten Fotographien, afrikanischen Masken, vorbei an Tafeln mit der globalen Ausbreitung der Menschheit (ausgehend in Afrika), aber z.B. auch dem Exodus der Zigeuner (Sinti und Roma wurden es erst später). Höhepunkt war der Besuch des Karls-Pavillons.
Fazit – schon jetzt ein sehr interessanter Tag in einem nicht alltäglichen Museum. Dankenswert waren Enthusiasmus und profunde Detailkenntnis aller Ehrenamtler, die uns die verschiedenen Facetten der Ausstellungen nahe gebracht haben, so dass die Zeit wie im Fluge vergangen ist.
Nach Besuch von Käserei und Bierbrauerei im Keller fand die wohlverdiente Einkehr im Museumscafé bei Kaffee & Kuchen und/ oder Suppe, Sandwiches & Bier statt. Somit gestärkt, konnte der anschließende Spaziergang durch den beschaulichen Ort zum Schloss Eijsden, vorbei am heute mit einer Plakette versehenen Geburtshaus von Dubois, erfolgen.
Das Schloss Eijsden geht auf einen befestigten karolingischen Hof zurück. In seiner jetzigen Gestalt, maßgeblich um 1636 entstanden, zählt es zu den 100 wertvollsten Architekturmonumenten der NL - zwar in Privatbesitz, jedoch ist der Garten öffentlich zugänglich. Vorbei an duftendem Bärlauch erreichten wir das windige Maasufer und liefen in einem weiten Bogen zurück zu den noch am Museum stehenden Autos.
Diana Hofmann

 

Fotos: H.Baumsteiger, K. Heidtmann, D. Hofmann, B.Klinkenberg.  Zusammenstellung/Aufbereitung: K. Heidtmann