Antike und Antiquitäten in der ältesten Stadt Belgiens
Schönstes Frühlingswetter hatten die 15 Wanderer, die wegen umständlicher Zugverbindungen erstmals in Fahrgemeinschaften anreisten – in diesem Jahr in das flämische Tongeren, das heute als die älteste Stadt Belgiens gilt – auch wenn Arlon dazu seine eigene Meinung hat.
Geparkt wurde an den Überresten der ersten römischen Stadtmauer, denen wir ein ganzes Stück folgten. Danach wandten wir uns Richtung Innenstadt, um kurz darauf an und auf der 3., diesmal mittelalterlichen und deutlich zentrumsnäheren Stadtmauer zu laufen.
Da Tongeren bis auf wenige Ausnahmen beim Rückzug der Franzosen 1677 unter Ludwig XIV. in Schutt und Asche gelegt wurde, gibt es nur noch sehr wenig alte Bausubstanz zu entdecken. Aus dieser Not hat die Stadt jedoch eine Tugend gemacht und organisiert seit den 1970-iger Jahren einen inzwischen Benelux-weit bekannten Antik- und Flohmarkt, den wir zunächst individuell durchstreiften.
Anschließend ging es zunächst weiter entlang der mittelalterlichen Stadtmauer, vorbei am (auf den Überresten der 2. römischen Stadtmauer) erbauten Moerenpoort, dem einzigen noch vollständig erhaltenem Stadttor, danach entlang einer alten Baumallee – mit Blick auf den Beginhof am wieder freigelegten Flüsschen Jeker. Auf der linken Seite wurde der neu gestaltete Stadtpark De Motten sichtbar.
Nach Passage des modernen Kulturzentrums und des Velinxturmes bogen wir vom Stadtring wieder in die Innenstadt ab, um mit Münzhaus und Spanisches Haus eine Vorstellung der ursprünglichen, mittelalterlichen Architektur zu erhalten - deren Besitzer hatten sich wohl von den französischen Truppen Ludwig XIV. freigekauft und konnten damit ihre Häuser retten.
Der Perron, Symbol für städtische Freiheiten, steht heute nicht mehr direkt auf dem Markt, sondern in einer unweit gelegenen, kleinen Zufahrtsstraße. Unweit davon befinden sich zwei Jugendstilhäuser, die besonders durch ihre reichliche Ornamentierung mit bunten Keramikfliesen auffallen. Wir besichtigten die Sint-Janskerk (St. Johannes), deren Geschichte bis auf das 12. Jh. zurückgeht.
Vor dem großen, gegenüberliegenden Gebäude mit der weit sichtbaren Aufschrift Onbevlekte Ontvangenis an der Fassade und den einladenden Bannern zum Erfgoed dag (Tag des Kulturerbes) angelockt konnten wir unverhofft einen Blick in das alte Klarissen- (später Benediktiner)kloster mit einem heute glasüberdachten Kreuzgang werfen, in dem Werbung für (das Erlernen von) Gemälderestaurierungen gemacht wurde.
Der älteste Beginhof der Niederlande fasziniert durch die unterschiedliche Häusertypen, die Kapelle der Hl. Ursula konnte glücklicherweise ebenfalls besichtigt werden, da gerade eine Kunstausstellung darin stattfand.
Vorbei an den Resten des Agnetenklosters ging es zum Vrijthof unweit des Marktes, wo wir unsere Mittagspause einlegten. Frisch gestärkt ging es danach weiter – zunächst in die Tiefen des Teseums, wo die archäologischen Überreste der Römerzeit als auch der 7 Vorgängerkirchen der Liebfrauenbasilika zu besichtigen waren. Nach Passage von Rathaus und Ambiorix-Denkmal ging es in die Liebfrauenbasilika - mit der wundertätigen Marienstatue und dem frühromanischen Kruzifix, dessen Füße sichtbar überarbeitet waren.
Vorbei an den ehemaligen Kanonikerhäusern erreichten wir schließlich das Gallo-Römische Museum – 2011 zum Europäischen Museum des Jahres gekürt. Auf 3 Etagen konnten Funde aus der näheren Umgebung - von den Neandertalern bis zur Merowingerzeit – bestaunt werden, der bereitgestellte Audioguide erlaubte individuelle Informationen zu zahlreichen Ausstellungsstücken.
Auf dem Rückweg passierten wir noch die ehemalige Tempelstätte, die – im frühen Mittelalter zur Baumaterialgewinnung vollständig abgerissen - jetzt schematisch die ehemaligen Größenverhältnisse andeutet. Auf der röm. Stadtmauer ging es danach zurück zu den abgestellten PKW.
Diana Hofmann
Fotos: R. Berger, K. Heidtmann
Zusammenst./Aufber.: I. Steven