Auf Initiative des Vorsitzenden der Kulturwarte des Monschauer Landes, Bernd Jansen und meines Amtsvorgängers, Bruno Klinkenberg, haben am Samstag, den 06.08. fünf amtierende Kulturwarte aus den OV Höfen, Monschau, Roetgen, Strauch und Vossenack und fünf Vertreter unserer Roetgener Ortsgruppe eine Exkursion in unser Nachbarland Belgien unternommen.


Start der Wanderung mit heimatkundlichen Erläuterungen durch Bruno Klinkenberg war am Parkplatz der Burg Raeren.
Gleich zu Beginn der Wanderung erstrahlt schon das in Privatbesitz befindliche Haus Raeren aus dem 14. Jh. In der Sonne - ein von Wassergräben (in dem es sich Enten und Schwäne gut gehen lassen) umgebener Wohnturm, erbaut aus den landestypischen Bruchsteinen.
Von der den Periolbach überquerenden Hohen Brücke schaut man erstaunliche 6 m nach unten. Grund war das in früheren Zeiten schlechte Wegenetz - der Ortsname Raeren stammt aus dem Wort „roden“ und weist auf eine Siedlung mitten im Aachener Reichswald hin. Also wichen (Bauern)schlaue Vorfahren auch auf Bachbetten zum Vorwärtskommen aus –die Ladung musste mit drunter durchpassen.
Über Wiesen mit weiten Blicken in die Landschaft, auf die St.-Nikolaus-Pfarrkirche und das heute in staatlicher Hand befindliche Mariastift (hier erfuhren wir, dass Bruno nicht nur Einheimischer, sondern sogar Eingeborener ist) geht es durch verschiedene Ortsteile.
Die schlicht gehaltene St.-Anna-Kapelle im Ortsteil Berg wurde besichtigt, Fahnen und ein frischer Anstrich künden vom diesjährigen, 300-jährigen Bestehen.
Der 1885 eröffnete Bahnhof Raeren, gelegen an der Bahnstrecke Aachen-St. Vith, einstmals wichtig für den Transport von Kohle und Eisenerzen zwischen dem Aachener Becken und dem luxem-bourgischen Industriegebiet, später auch für militärische Zwecke, hat definitiv bessere Zeiten gesehen. Die Bahnstrecke ist ein attraktiver Radweg geworden, das restliche Gelände erobert sich die Natur gerade sehr erfolgreich zurück.
Ein Geheimtipp - gleich gegenüber gibt es ein privates Wohnhaus im Bauhausstil zu sehen – 1935 nach Skizzen des Baumeisters Ludwig Mies van der Rohe erbaut.
Später lassen wir unsere Blicke weit ins Herver Land schweifen, bevor es über Haus Bergscheid aus dem 16. Jh. zurück zur Wasserburg Raeren am Zusammenfluss von Iterbach und Periolbach geht. Der älteste Teil ist ein quadratischer Wohnturm mit zwei Geschossen, dessen Errichtung in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert. Im Laufe der Zeit mehrfach erweitert, umgebaut, abgebrannt und wieder aufgebaut, wurde die Burg 1952 als erstes ostbelgisches Haus unter Denkmalschutz gestellt, 1963 von der Gemeinde aufgekauft und beherbergt seitdem das Töpfereimuseum.

Dort wurden wir schon sehnlichst erwartet. Unter der sachkundigen Führung erfuhren wir (fast) alles über Tongewinnung, -aufbereitung und Töpferei – erstaunlicherweise musste bis zur Franzosenzeit für die Rohstoffe nicht einmal bezahlt werden. Wegen der Tätigkeit in der Kälte wurde allerdings nur im Sommerhalbjahr produziert.
Nach Bewunderung des Küchenfußbodens aus zweitgenutzten, tausenden Abstandhaltern (diese können nur einmal gebrannt werden, sonst platzen sie) und mehreren Ofenmodellen unter Erläuterung der Brennvorgänge und ihrer Auswirkungen auf die Oberfläche/ Glasur der fertigen Waren konnten wir in den oberen Geschossen Prachtstücke aus den verschiedensten Jahrhunderten bestaunen. Zunächst mit einfachen (Ritz-)Verzierungen, später aufmodellierten Wappen(patrizen), wurden im Spätmittelalter auch ganze Bilderfolgen mit mittelalterlich-bäuerlich-deftigen Festszenen, die Gemälden der Breughel-Dynastie entsprungen sein könnten, auf dem Geschirr verewigt.
Der Niedergang trat wegen der Rohstofffinanzierung unter den Franzosen und der Erfindung des feineren Porzellans durch Böttger ein, welches für die herrschende Klasse damit nicht mehr aus Asien importiert, sondern nun auch in Europa hergestellt werden konnte. Gegen 1850 erlosch dieses Handwerk in Raeren.

Das gemütliche Beisammensein fand – na, wo denn wohl, wenn Bruno die Reservierung vornimmt? – natürlich im Café Zahlepohl statt.

Diana Hofmann

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