Bei strahlend schönem Herbstwetter fuhren 16 Wanderinnen und Wanderer mit dem PKW zum Turm von Botrange in Belgien, dem mit 692m höchsten Punkt Belgiens. Von der hölzernen Aussichtsplattform bot sich ein weiter Blick auf das Wallonische Venn.

Bald darauf betrat man durch ein kleines Holztor die C-Zone, d.h. die wegen des Birkwildes und der letzten noch aktiven Torfmoosflächen besonders geschützte Zone im Hohen Venn, die nur mit vorheriger Anmeldung und einem ausgebildeten Führer betreten werden darf.

Über schmale Trampelpfade sowie Holzstege, die z.T. in desolatem Zustand waren, ging es wegen des hohen Pfeifengrases auf kaum noch erkennbarem Weg in das Venngebiet hinein. Die Wanderfreunde waren gezwungen, Schritt für Schritt vorsichtig auf den Boden zu setzen, um den Verlauf des Weges im sprichwörtlichen Sinne zu ertasten. An einem Moortümpel erinnerte ein schlichtes Holzkreuz an den Absturz eines amerikanischen Flugzeugs im Sommer 1944. Nach Überqueren eines der Quellbäche der Rur gelangte man an eine ehemalige Torfabbaugrube. Als endlich alle wohlbehalten den Waldrand erreichten, konnte die verdiente Bananenpause eingelegt werden.
Am Waldrand entlang ging es dann hinunter zur Hill nach Rakesprée, einer Furt am alten Weg von Eupen nach Sourbrodt. An dieser heute einsamen Stelle fand im 17. Jhdt. ein Viehmarkt statt. Der Bach wurde auf einer Brücke überquert, die nach der berühmten aus Malmedy stammenden Botanikerin Marie-Anne Libert benannt ist. Etwa 2 km führte der Weg an der wildromantischen Hill über Stock und Stein abwärts.

Nach der Mittagspause im Hilltal tauchte bald die Abzweigung auf, die uns wieder auf die Vennhöhe mit dem Geitzbusch und den Krüppelkiefern von Noir Flohay führte. Unterwegs blies ein heftiger, aber warmer Wind. Die Aussichten über das weite Venngebiet, die bis zum Clefay-Venn und zum Turm von Botrange reichten, waren grandios. Die Baumskelette, die bei Wind und Wetter, aber auch beim letzten großen Vennbrand von 2011 entstanden, wirkten recht skurril. Der Pfad führte danach wieder hinunter ins obere Hilltal und bald wurde die Stelle der 3 Grenzsteine erreicht. Neben einem preußischen Grenzstein von 1839 befindet sich hier ein Stein des Königreichs der Niederlande von 1815 und etwas weiter entfernt ein Grenzstein von 1755 aus der Zeit der österreichischen Kaiserin Maria-Theresia. Über einen breiten Forstweg gelangten die Wanderfreunde nach ca. 15 km wieder zum Turm von Botrange. Birkwild konnte nicht gesichtet werden, obschon im letzten und in diesem Jahr mehrere Hähne und Hennen aus Schweden hier zur Stabilisierung des stark geschrumpften Bestands ausgesetzt wurden.

Die Einkehr nach heiler Rückkehr aus dem bei manchem ein wenig unheimlichem Venn fand in der urigen Gaststätte von Baraque Michel statt. Für alle Beteiligten war diese anstrengende, aber schöne Wanderung durch das abwechslungsreiche Hochmoorgebiet ein besonderes Erlebnis.

Rolf Berger

 

Fotos: R. Berger, B. Klinkenberg. Streckenaufzeichnung: F. Junk.   Zusammenstellung: K. Heidtmann