2021-08-22 Von Raffelsbrand zum Kartoffelbaum

16 Wanderlustige ließen sich am Sonntag nicht von der schlechten Wettervorhersage beeindrucken und starteten mit Wf. Helga Giesen zur gut 13 km langen Tour durch den Hürtgenwald. Sie wurden für ihren Optimismus belohnt, es blieb trocken, zeitweise schien sogar die Sonne und die Temperaturen waren zum Wandern angenehm.

 

Der Rundweg begann am Parkplatz „Bodenlehrpfad“ am Todtenbruch in Raffelsbrand. Dieser Weg wurde 2003 als erster seiner Art in NRW durch die damalige Umweltministerin Bärbel Höhn eröffnet.
Raffelsbrand ist ein noch junger Ortsteil von Vossenack, vor der Kommunalen Neugliederung zum Kreis Monschau, seitdem zum Kreis Düren gehörend. Der bei den Kämpfen im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Wald wurde nicht mehr aufgeforstet, sondern in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt.
An der u-förmigen „Ringstraße“ entstanden 31 Bauernhöfe, die heute aber nicht mehr alle bewirtschaftet werden. Angesiedelt haben sich Bauern aus Vossenack sowie Vertriebene aus Ostpreußen. Ein Gedenkstein für die ersten Familien, die hier zwischen 1952 und 1955 eine neue Heimat fanden, steht in der Nähe des Parkplatzes.
Der Todtenbruch ist der nordöstlichste Ausläufer des Hohen Venns am Übergang zur Rureifel. Hier ist das Quellgebiet der Weißen Wehe, die uns auf einem großen Teil der Wanderung begleitete. Die Rote Wehe entspringt bei Zweifall, beide Quellarme vereinen sich in der Wehebachtalsperre und münden nach fast 28 km bei Inden-Lamersdorf (Gut Merödgen) in die Inde.
An vielen Stellen waren noch Spuren der Wassermassen zu erkennen, die während des Hochwassers auch hier geflossen waren, aber alle Wege waren gut begehbar. Nach wenigen Kilometern konnten die Wanderer den lustigen „Froschbrunnen“ bestaunen. Hier haben sich in den letzten Jahren unzählige „Frösche“ aller Größen und Materialien versammelt.
Die Bananenpause wurde am Pilgerdenkmal für die Heimbachpilger aus Breinig abgehalten. Hier steht auch der „McArthurbaum“. Da die noch im Frühjahr vorhandene Infotafel jetzt verschwunden ist, erzählte die Wf. die dazu gehörende Geschichte.
Eine Rotbuche an der Wegkreuzung Höhenschneise und Heimbachpilgerweg war damals um die 90 Jahre alt, als ein junger GI in ihre Rinde seinen Namen einritzte. Sie hat Granatenbeschuss und rollende Panzer überstanden und erzählt uns heute mit ihrer Inschrift so einiges über den September 1944. Damals rückten die ersten Amerikaner in den Hürtgenwald vor. Sie müssen Zeit gehabt haben und sie müssen gelassen gewesen sein. Wie anders kann man sich sonst erklären, dass jemand in aller Ruhe mit seinem Taschenmesser in die harte Rinde einer alten Buche ritzt: R.D. McArthur, 9/21/44, Texas, USA. Der junge Mann, der sich hier am 9. September verewigte, gehörte zur 9. Infanterie Division, die mit als erste am 12. September 44 die deutsche Grenze bei Roetgen überschritten hatte und dann über Mulartshütte und Zweifall bis Schevenhütte marschiert war.
Mit etwas Fantasie sind die Schnitzspuren in der Rinde noch heute zu erkennen.
Da die Bananenpause mangels passender Gelegenheit etwas spät stattgefunden hatte, war schon kurz darauf das Etappenziel „Kartoffelbaum“ erreicht, der natürlich auch eine besondere Geschichte hat. Tatsache ist, dass dieser Baum schon seit wohl mehr als hundert Jahren immer wieder mit fantasievoll verzierten Kartoffeln behängt wird; wie es dazu gekommen ist, dazu gibt es unterschiedliche Versionen. Darüber gab eine Infotafel Auskunft.
Der letzte Abschnitt der Wanderung führte dann durch den Wald zurück in Richtung Ringstraße, vorbei an einigen heute noch existierenden Bauernhöfen, und zum Schluss über die Stege des Bodenlehrpfads durch eine sehr abwechslungsreiche Vegetation. Hier liegen auch die Überreste des Bunkers Nr. 364, der Teil einer heftig umkämpften Stellung im Zweiten Weltkrieg war. Nach Kriegsende zerstörten die Amerikaner den Bunker, um eine militärische Nutzung für immer auszuschließen. Als „Deadmans moor“ fand der Todtenbruch Einzug in die amerikanischen Geschichtsbücher. Auch hier ist die vor Kurzem noch vorhandene Infotafel verschwunden.
Weitere Infos zum Todtenbruch sowie zu den beiden Bäumen auf

www.naturpark-schaetze.de/baumschaetze

bzw.

www.naturpark-schaetze.de/naturschaetze/naturschatz-todtenbruch

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Fotos: H.Baumsteiger, H. Giesen, B.Klinkenberg.  Zusammenst./Aufber.: K. Heidtmann